Das Wählerbündnis Junges Duisburg (JUDU) übt deutliche Kritik an einem öffentlich verbreiteten Foto vom Hissen der Regenbogenflagge am Rathaus Duisburg. Neben Oberbürgermeister Sören Link (SPD) sind darauf unter anderem Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), Grünen-Bundesvorsitzender Felix Banaszak, CDU-Oberbürgermeisterkandidatin Sylvia Linn und Grünen-OB-Kandidat Dr. Sebastian Ritter zu sehen. Im Hintergrund: Plakate mit Aufschriften wie „Gang Bang Theory“, „Netwix“ und „Stranger Kinks“ – letzteres eine Anspielung auf die Serie Stranger Things, deren Hauptfiguren Kinder sind.

„Wir setzen uns aus voller Überzeugung für Vielfalt und Toleranz ein. Jeder Mensch soll frei leben und lieben dürfen“, erklärt Frederik Engeln, Vorsitzender von JUDU. Doch Freiheit brauche Haltung – gerade im öffentlichen Raum.

Für Junges Duisburg ist klar: Die Bedeutung der Regenbogenflagge wird hier durch sexualisierte Begriffe entwertet. Die Botschaft des Bildes ist fatal: Statt für Liebe, Respekt und Gleichberechtigung zu stehen, wird die Flagge in den Kontext von Pornografie gerückt – und damit politisch missbraucht. Der Begriff Kink etwa bezeichnet sexuelle Vorlieben jenseits gesellschaftlicher Normen. Dass ein solcher Begriff auf einem offiziellen Pride-Foto auftaucht – vor dem Rathaus, gemeinsam mit Spitzenpolitikerinnen und -politikern – offenbart einen beunruhigenden Verlust an Maß und Verantwortung.

Besonders problematisch ist die implizite Botschaft, dass solche Begriffe gesellschaftlich anerkannt oder gar Teil gelebter Vielfalt sein müssten – auch für junge Menschen. Gerade für Kinder und Jugendliche entsteht hier ein gefährliches Missverständnis: Dass Respekt gegenüber queeren Lebensentwürfen mit dem Ausleben harter Sexualpraktiken gleichzusetzen sei. Diese Gleichsetzung ist nicht nur falsch, sondern auch pädagogisch unverantwortlich.

Besonders irritierend ist, dass niemand der abgebildeten Verantwortlichen öffentlich Distanz zu diesen Motiven zeigt. Weder Ministerin Bas, noch OB Link oder CDU-Kandidatin Linn. „Wer auf einem offiziellen Pride-Foto neben Begriffen wie ‚Gangbang‘ steht und nicht widerspricht, trägt zur Verharmlosung sexualisierter Sprache im öffentlichen Raum bei“, so Engeln. Gerade von Repräsentanten mit Bildungs-, Regierungs- oder Werteauftrag sei mehr Reflexion zu erwarten.

JUDU kritisiert ausdrücklich nicht die Veranstaltung an sich, sondern das fehlende Problembewusstsein der Beteiligten. Ein OB sei kein Privatmensch mit Freizeitmeinung, sondern Vertreter der Stadtgesellschaft – mit Vorbildfunktion. Wenn Sören Link sich mit Begriffen aus der Pornografie inszenieren lasse, sende das ein falsches Signal: Es sei ein Ausverkauf politischer Würde, nicht ein Bekenntnis zu Vielfalt.

Auch CDU-Kandidatin Sylvia Linn gerät in den Fokus: Wer sich auf christliche Werte berufe, könne nicht neben einem Begriff wie „Gangbang“ posieren und schweigen. Insbesondere Frauen müssten wissen, dass dieser Begriff aus einem pornografischen Milieu stammt, in dem Frauen oft entwürdigt werden. Wer sexuelle Gewalt in der Gesellschaft ernst nimmt, muss auch sprachlich sensibel sein – gerade im öffentlichen Raum.

Unverständlich ist für JUDU zudem das Verhalten von Dr. Sebastian Ritter. Als Lehrer und OB-Kandidat der Grünen trägt er eine doppelte Verantwortung: beruflich gegenüber Schülerinnen und Schülern – und politisch als Repräsentant. „Dass jemand, der täglich mit Jugendlichen arbeitet, sich mit solchen Begriffen auf einem offiziellen Pride-Bild zeigt, ist kein Ausdruck von Fortschritt, sondern ein Verstoß gegen pädagogische Verantwortung. Wir leben in einer Zeit, in der Jugendliche zunehmend durch Pornos statt durch echte Aufklärung geprägt werden, viele verlieren dadurch ein gesundes Verhältnis zu Sexualität“, so Engeln.

Die Kritik richtet sich dabei nicht gegen queeres Leben – im Gegenteil: „Wir verteidigen die Freiheit zu lieben, wen man liebt. Aber queere Identität darf nicht auf Sexualpraktiken reduziert werden“, betont JUDU.

Junges Duisburg fordert daher mehr Sensibilität und klare politische Haltung. Wer sich hinter eine Flagge stelle, die für Menschenwürde und Gleichberechtigung steht, müsse wissen, welche Wirkung Bilder und Sprache entfalten. „Wer Begriffe wie ‚Gangbang‘, ‚Netwix‘ oder ‚Stranger Kinks‘ mitträgt oder duldet, sendet keine Botschaft für Vielfalt – sondern gegen gesellschaftliche Verantwortung“, so Engeln abschließend.